"Ich bin Architekt für meine Kunden"

Ein Interview mit Ali Usta – Projektmanager Event- und Sports-Hospitality

Ali Usta

centenniallogo.jpg

Usta.JPG

Nachdem Ali Usta die Fachhochschulreife absolviert hatte, entschied er sich am 01.09.1989 für Losberger De Boer, um eine Ausbildung zum Industriekaufmann zu absolvieren. Nach erfolgreichem Abschluss blieb er im Unternehmen und wechselte in den Vertrieb. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Losberger De Boer haben wir uns mit Herrn Usta unterhalten. Dabei hat er uns verraten, warum er auch nach 30 Jahren noch seinen Arbeitsalltag mit viel Freude gestaltet und was ihn in seinem Job immer wieder zu Höchstleistungen motiviert.

 

Redaktion

Die Entwicklung und der Einsatz von temporären Raumlösungen ist ein sehr spezifisches Arbeitsfeld. Wie sind Sie zu Losberger De Boer gekommen?  

 

Ali Usta

Ehrlich gesagt hatte ich schon immer ein unfassbar großes Interesse an Architektur, das Thema hat mich immer schon regelrecht begeistert. Ein Studium hätte ich mir allerdings damals nicht unbedingt vorstellen können, ich war und bin bis heute eher ein Pragmatiker als ein Theoretiker. Als ich dann von Heiko Braun, einem Freund, von der Möglichkeit erfuhr, im Bereich Temporär-Architektur eine Ausbildung machen zu können, war ich sofort Feuer und Flamme. Und so startete ich damals ins Berufsleben, übrigens gemeinsam mit Marion Guter, die auch heute noch bei Losberger De Boer tätig ist.  

 

Redaktion

Sie arbeiten seit 30 Jahren bei Losberger De Boer. Eine lange Zeit. Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit?

 

Ali Usta

Ich bin ein Teamsportler. Fußball, Tischtennis und Badminton: Ich liebe es, im Team gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Dabei weißt du in unserem Job am frühen Morgen nicht immer, was dich an diesem Tag erwartet. Aber du weißt, dass du Menschen mit individuellen Lösungsansätzen helfen kannst, ihre Ziele zu erreichen und nicht selten gesteckte Ziele zu übertreffen. Für meine Kunden bin ich sozusagen der Architekt, der mit seinem Team auch für die schwierigsten Herausforderungen eine Lösung erarbeitet. Ich arbeite einfach unglaublich gern mit und für Menschen. Genau dieser Spirit treibt mich an.

 

Redaktion

Das Unternehmen arbeitet mit 1.100 Mitarbeitern an 21 Produktions- und Vertriebsstandorten in der ganzen Welt. Was bedeutet das für Sie in Ihrer täglichen Arbeit?   

 

Ali Usta

Nun, ich bin mit einer teils türkisch und teils deutsch geprägten Mentalität aufgewachsen, trage sozusagen zwei Kulturen in mir. Das hat mich geprägt und prägt mich bis heute. Für mich haben gerade die internationalen Projekte einen ganz besonderen Charme – vor allem heute, in einer globalen Welt.

 

Redaktion

Nachdem Sie seit 30 Jahren im Unternehmen sind, können Sie sicherlich einige spannende Geschichten erzählen.

 

Ali Usta

Naja, eigentlich bin ich 25 Jahre dabei. Ich habe mir 1995 eine fünfjährige Auszeit genommen, ich wollte mich einfach mal in einem anderen Bereich ausprobieren.

 

Redaktion

Warum sind Sie damals gegangen und später zurückgekehrt?

 

Ali Usta

Damals war ich Mitte 20, wollte die Welt sehen und andere Kulturen kennenlernen. Über einen Freund hatte ich die Möglichkeit, in die Tourismus-Branche einzusteigen und als internationaler Reiseleiter sowohl Individual- als auch Pauschalreisen planen und umsetzen zu können. Das war ein unglaublich wichtiger Schritt für mich, der mich persönlich bereichert und damit auch beruflich weitergebracht hat.

 

Dann klingelte im Jahr 2000 plötzlich das Telefon, bei Losberger De Boer suchte man Menschen, die die Internationalisierung des Unternehmens mit vorantreiben wollen. Ich hatte noch viele Freunde hier und ein Stück weit war Losberger De Boer ja auch meine berufliche Kinderstube. Ich kehrte also ‚heim‘ ins Nest, eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Und somit begehe ich am 01.07.2019 meine berufliche Silberhochzeit mit meinem Arbeitgeber.

 

Redaktion

Was waren Ihre persönlichen Highlights?

 

Ali Usta

Oh, da könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Aber ich breche es mal auf zwei Projekte herunter. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi haben wir für das Austria-House sieben LKW-Ladungen mit Material nach Russland gebracht, als plötzlich der LKW Nr. 2 verschwunden war. Der LKW tauchte im Projektverlauf wieder auf, das sei an der Stelle mal vorweggenommen. Und natürlich haben wir die Produktion auch wie geplant fertiggestellt. Aber da bist du in einer ganz anderen Welt, weit weg von Zuhause und verantwortlich für ein internationales Projekt von einer solchen Güteklasse. Ich kann Ihnen sagen, da gerät man selbst als erfahrener Mitarbeiter auch bei minus 15 Grad Außentemperaturen schon mal ins Schwitzen, wenn gleich ein ganzer LKW verschwindet.

 

Eine weitere Begebenheit liegt schon etwas länger zurück. Es war 2002 als wir erstmals ein Projekt für einen namenhaften Sportartikelhersteller umsetzten. Am Unternehmensstandort sollte eine temporäre Raumlösung mit entsprechenden Platzkapazitäten für das jährliche General Marketing Meeting (GMM) geschaffen werden. Unglücklicher Weise hatte der Stellplatz für die mobile Hallenkonstruktion eine denkbar ungünstige Bodenbeschaffenheit. Kurzerhand ließ unser Ansprechpartner eine Fläche von 1.000 m² asphaltieren, sodass wir die Hallenkonstruktion genau an der geplanten Stelle errichten konnten. „Das nenne ich mal lösungsorientiertes Denken und Handeln“, sagte ich meinem Kunden damals und fuhr mit der Frage fort, was er denn nun nach dem Event mit der asphaltierten Fläche machen wolle? „Da stelle ich im Nachgang Parkuhren auf. Damit begegnen wir dem Defizit an Parkplätzen in der Stadt“, antwortete er und wir mussten beide lachen. In diesem Moment entstand eine Freundschaft, die über Jahre gewachsen ist und bis heute Bestand hat.

 

Redaktion

2017 haben sich Losberger und De Boer zusammengeschlossen. Was hat sich für Sie und Ihre Kunden verändert, sowohl für Sie ganz persönlich als auch für Ihre Kunden?

 

Ali Usta

Für mich persönlich ist die Fusion eine Fügung des Schicksals gewesen. Wir sind uns im Markt immer schon mit gegenseitigem Respekt begegnet, auch bei gemeinsamen Projekten, wie beispielsweise der Farnborough Airshow oder den Olympischen Spielen in London. Das wird sicherlich auch darin begründet liegen, dass die beiden einstigen Wettbewerber aus der gleichen Zeit stammen, eine ähnliche Entwicklung genommen haben und in vielen Bereichen die gleichen Werte gelebt wurden. Als Vertriebler aus Leidenschaft interessiere ich mich aber viel mehr dafür, was sich für meine Kunden verändert hat. Und die verfügen nun über eine größere Produktvielfalt und noch mehr Know-how für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Projekte.

 

Redaktion

Haben Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn auch Rückschläge hinnehmen müssen, die sich für Sie persönlich als Learnings herausgestellt haben?

 

Ali Usta

Nein, persönliche Rückschläge gab es nicht. Aber die Weltwirtschaftskrise 2009 war sicherlich ein Rückschlag für die gesamte Branche. Da hat mich Friedrich Losberger persönlich sehr beeindruckt. Er stellte sich vor seine Mitarbeiter und sagte: „Entlassungen wird es hier nicht geben.“ Mit dieser Geste des Zusammenhaltens setzte er ein Zeichen der Wertschätzung. Mich als überzeugter Teamplayer hat das nicht nur berührt, es hat mich nachhaltig geprägt.

 

Redaktion

Die Arbeit im Vertrieb ist oft dynamisch und kann sehr anspruchsvoll sein. Was tun Sie für eine gesunde Work-Life-Balance?

 

Ali Usta

Oh, da gibt es viele Dinge, in denen ich einen Ausgleich finde. Ich treibe viel Sport, gehe zum Beispiel regelmäßig joggen und trainiere  im Fitnessstudio. Außerdem mache ich Yoga. In der Mittagspause bin ich offline, auch am Handy. Ich bewege mich gern draußen, wenn es auch mal nur 10 Minuten zwischen zwei Terminen ist. Ich treffe mich mit Freunden, liebe lange Gespräche bei gutem Essen. Ich lese wahnsinnig gern und gehe gern in Konzerte.

 

Redaktion

In drei Jahrzehnten gibt es sicherlich auch so manche persönliche Geschichte zu erzählen. Was fällt Ihnen da so spontan ein?

 

Ali Usta

Eine Geschichte, die bis heute immer wieder für Schmunzler sorgt, hat sich an einer Raststätte zugetragen. Wir fuhren seinerzeit mit einer Mischung aus persönlichen Freunden von Friedrich Losberger und einigen Kollegen zum Skilaufen. Als wir an einer Autobahnraststätte eine kurze Pause einlegten, nutzte ich die Zeit zum Telefonieren. Es gab noch keine Handys seinerzeit, also ging in ich eine Telefonzelle, sofern sich noch jemand an diese Einrichtungen erinnert. Als ich dort telefonierte, fuhr der Bus mit der gesamten Belegschaft an mir vorbei wieder auf die Autobahn. Ich fuchtelte wild mit meinen Armen, um auf mich aufmerksam zu machen. Eine Dame im Bus sah das und winkte mir freundlich zu. Der Bus fuhr weiter – ohne mich. Erst während der Fahrt fragte einer der Kollegen: „Wo ist denn eigentlich der Ali?“ Der Bus kehrte um und holte mich nach gut einer Stunde voller Verzweiflung ab. Aber bis heute heißt es bei jeder Busfahrt: „Wo ist denn der Ali“?